Der hydraulische Tieflöffelbagger setzt an der Ecke der Henkestraße an, hebt den ersten Kübel voll rötlich-braunem Keuperton aus und legt damit den Grundstein für ein Projekt, dessen Statik bereits Monate vorher am Schreibtisch entschieden wurde. Die Geotechnische Bemessung tiefer Baugruben in Erlangen beginnt nicht mit dem Aushub, sondern mit der Interpretation von Bohrprofilen, die das typische Mittelfränkische Schichtpaket aus quartären Talsanden über verwittertem Burgsandstein abbilden. Bei Grundwasserständen, die im Regnitztal oft nur zwei Meter unter Gelände anstehen, entscheidet die Wahl zwischen rückverankerter Bohrpfahlwand und einer Unterwasserbetonsohle über Wirtschaftlichkeit und Bausicherheit gleichermaßen. Für komplexe innerstädtische Situationen kombinieren wir die Bemessung mit einem vorgeschalteten CPT-Versuch, um die Scherfestigkeit der sandigen Zwischenlagen lückenlos zu erfassen und den Erddruck wirklichkeitsnah anzusetzen. Das Ziel ist stets ein standsicheres Verbausystem, das die Verformungen am Nachbarbestand auf ein unschädliches Maß begrenzt – eine Herausforderung, der wir uns in Erlangen täglich stellen.
Im Erlanger Keuper bestimmt nicht die Festigkeit des Gesteins die Baugrubengeometrie, sondern die Trennflächenorientierung – wer das ignoriert, bemisst am falschen Bruchkörper.
Ablauf und Umfang
Lokaler geotechnischer Kontext
Ein zwölfgeschossiges Wohnhaus an der Nürnberger Straße, unterkellert mit einer 8,50 Meter tiefen Baugrube, nur vier Meter vom Bestandsbau der Gründerzeit entfernt – dieses Erlanger Projekt verdeutlicht das Risiko einer Fehleinschätzung der Bettungsmoduln. Der verwitterte Burgsandstein unter dem Nachbargebäude reagierte auf die Spannungsfreisetzung mit einer progressiven Entfestigung entlang der Schichtfugen, die in der Vorstatik nicht abgebildet war. Erst ein nachträgliches Boschungsstabilitat-Gutachten mit Kluftkörperanalyse konnte den Mechanismus erklären und führte zur Umplanung auf eine steifere Schlitzwand mit drei Aussteifungslagen. Das zweite Risiko in Erlangen ist der Schichtenwasserzutritt im Grenzbereich zwischen Sandsteinkeuper und Tonstein, der bei unzureichender Filterstabilität zur inneren Erosion des Bodens vor der Wand führt – ein Szenario, das sich durch hydraulischen Grundbruch innerhalb von Stunden katastrophal entwickeln kann. Unsere Bemessung schließt diesen Fall explizit aus.
Referenznormen
Die Anwendung der Normen DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung), DIN 1054:2021-04 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), DIN 4085:2017-08 (Baugrund – Berechnung des Erddrucks) und DIN EN ISO 17892-9 (Triaxialversuch – konsolidiert, drainiert) gewährleistet die geotechnische Sicherheit.
Ergänzende Leistungen
Standsicherheitsnachweise für Baugrubenverbauten
Berechnung von Trägerbohlwänden, Spundwänden, Bohrpfahlwänden und Schlitzwänden nach EC7-1 für alle Grenzzustände. Inklusive Verformungsprognose mittels FEM und Bettungsmodulverfahren für die sensible Erlanger Innenstadtbebauung.
Geotechnische Baubegleitung und Monitoring
Kontinuierliche Überwachung der Aushubsohle, geotechnische Abnahme nach DIN 4020 sowie inklinometrische Messungen am Verbau. Bei Abweichungen vom Prognosemodell erfolgt eine sofortige Nachbemessung mit aktualisierten Bodenkennwerten.
