Im Erlanger Stadtgebiet merkt man auf den ersten Blick wenig von seismischer Aktivität, doch die geologischen Karten zeigen ein anderes Bild. Der tiefe Untergrund des Fränkischen Beckens mit seinen mächtigen Keuper- und Buntsandsteinschichten reagiert anders auf Erschütterungen als das quartäre Lockergestein des Regnitztals. In unserer Praxis sehen wir immer wieder Bauvorhaben an der Schwabach oder entlang der Nürnberger Straße, wo ein pauschaler Verweis auf die Erdbebenzone 1 nach DIN EN 1998-1/NA nicht ausreicht. Sobald weiche Talablagerungen auf hartem Fels auflagern, entstehen Resonanzeffekte, die ohne eine detaillierte seismische Mikrozonierung in der Schadensprognose völlig unterschätzt werden. Besonders bei Infrastrukturprojekten mit langer Nutzungsdauer lohnt sich der genaue Blick auf das lokale Frequenzspektrum.
Die größte Verstärkung tritt in Erlangen dort auf, wo weniger als 15 Meter sandig-kiesige Talfüllung über dem Keuper aufliegen.
Ablauf und Umfang
Lokaler geotechnischer Kontext
Das Regnitztal stellt uns messtechnisch vor eine doppelte Herausforderung. Der Grundwasserspiegel steht in den quartären Kiesen oft nur zwei Meter unter Gelände, und die Feuchte variiert saisonal stark. Ein hoher Sättigungsgrad senkt die effektive Spannung und damit die Scherwellengeschwindigkeit direkt messbar ab. Wer also im trockenen August misst, bekommt für den nassen März ein zu optimistisches Bild. Wir gleichen das durch eine feldbasierte Durchlässigkeitsmessung ab und rechnen die Vs-Werte auf einen konservativen Sättigungszustand hoch. Noch kritischer wird es bei den alten Auelehmen südlich der Innenstadt, die mit ihrem hohen Plastizitätsindex nach Casagrande und dem organischen Anteil eine ausgeprägte Dämpfung zeigen – aber auch eine langsame, dafür länger anhaltende Schwingungsperiode, die für Bauwerke mit 4 bis 8 Stockwerken besonders ungünstig ist.
Referenznormen
DIN EN 1998-1/NA:2021-07 (Eurocode 8: Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben), DIN 4149 (zurückgezogen, aber für Bestandsbewertung relevant), DIN EN ISO 22476-4 / D7400 (MASW und Refraktionsseismik), SESAME Project Guidelines (H/V-Methode für Mikrotremor)
Ergänzende Leistungen
Mikrotremor-Kartierung und H/V-Methode
Passive Messung der Eigenfrequenz des Bodens mit Dreikomponenten-Seismometern. Ideal für eng bebaute Quartiere in der Innenstadt Erlangens, wo aktive Quellen wie Fallplatten oder Hämmer Lärmbelästigung verursachen würden.
Kombinierte MASW- und Refraktionsprofile
Entlang von Linienprofilen, z.B. parallel zur geplanten Stadt-Umland-Bahn, erfassen wir mit einem 24-Kanal-Seismografen sowohl das Vp- als auch das Vs-Modell. Die aktive Quelle garantiert hohe Signalqualität bis 30 Meter Tiefe.
Probabilistische Seismic Hazard Analysis (PSHA)
Auf Basis der Mikrozonierung berechnen wir standortspezifische Antwortspektren. Unter Einbeziehung der Erlanger Beckengeometrie und der Dämpfungswerte aus Resonanzsäulenversuchen entstehen Bemessungsspektren, die realistischer sind als die konservativen Hüllkurven des Eurocode.
Typische Parameter
Fragen und Antworten
Welche Kosten entstehen für eine seismische Mikrozonierung in Erlangen?
Der Referenzbereich für diese Leistung in Erlangen liegt bei €4.020 - €17.190. Der Endpreis hängt vom Projektumfang ab.
